Geschichte der Pfarre St. Michael ob der Gurk

Die Anfänge

    Die zur Mutterpfarre Tainach gehörige Filialkirche St. Michael wird in den Urkunden das erste Mal im Jahre 1366 genannt. Sie wurde von Tainach mitprovidiert. Der zweite in Tainach residierende Kaplan hatte die seelsorgliche Betreuung über. Bis zum Jahr 1774 war Rupert Leonhardt Vikar, dem Clemens Rutter folgte.
    Die Kirche St. Michael war die sogenannte "Suetej-Hube" untertan. Sie stand in unmittelbarer Nähe der Kirche, in westlicher Richtung unter dem Hügel, an dem die Kirche steht. Sie zahlte jährlichen Stiftungen an Tainach. Diese Hube wurde dem Vikar Clemens Huber als Wohnung und zur Nutznießung mit der Verpflichtung übergeben, dass er die Abgaben übernimmt. Der Vikar übersiedelte im Jahre 1774 von Tainach nach St. Michael. Zur Bewirtschaftung der Hube benötigte er fünf Dienstboten. Doch rentierte sich die Wirtschaft nicht. Nach 3 1/2 Jahren steckte der Vikar schon tief in Schulden, weshalb er um Befreiung von den Abgaben ansuchte. Denn die Wiesen waren Mooswiesen, die Äcker Sandboden, der Wald geschlägert. Das Brennholz musste der Vikar von seinem Jahreseinkommen von nicht ganz 200 Gulden kaufen. Der Propst dispensierte den Vikar von den Abgaben in Anbetracht seiner misslichen Lage.
    Das Vikariatshaus war bis zum Jahre 1804 ebenerdig, die Wohnung sehr beschränkt, weshalb das erste Stockwerk ausgebaut werden musste. Durch Spenden wurde das Geld gesammelt, etwas Material wurde von den Nachbarn gestiftet und die Verkostung wurde ebenso von den Nachbarn übernommen. Nur die Linsenberger hielten sich dabei mehr reserviert, weil sie den Pfarrhof bei ihrer Kirche erbaut wissen wollten.


Die Pfarrkirche

   Die Kirche steht auf einem Felsenhügel ober dem Dorf, umgeben von einem Friedhof. Nordöstlich von der Kirche steht auf dem Friedhof steht ein runder, mit Kegeldach versehener Bau, der einem romanischen Karner gleicht, ist aber bedeutend jünger, da er Apsis ist und moderne Fenster und Türen aufweist. Er diente als Vorratskammer für das Kollekturgetreide. Da er, wie die Kirche, auf Felsengrund steht, hat er kein Erdgeschoss für die Aufnahme von Totengebein. Diese werden unterm dem Presbyterium der Kirche aufbewahrt.
    Das Kirchengebäude ist im spätgotischen Stil aus dem Anfang des 16. Jahrhunderts gebaut und besteht aus der im Jahre 1627 angebauten Vorschalle, dem einschiffigen dreijochigen Langhaus und dem aus dem Achteck konstruierten zweijochigen Presbyterium, dem an der Nordseite der Turm angebaut ist. An der Außenseite sind Stützpfeiler.
    Interessant ist die Gewölbekonstruktion mit reichem dekorativem Stuckrippenwerk, wie es Bartlmä Firtaler aus Innichen im Jahre 1520-1544 in Lungau, Kötschach und Laas gemacht hat. Die Dienste reichen zur halben Höhe, ruhen auf Konsolen, die Figuren wie Lamm, Kopf und Blumenverzierungen aufweisen. Die Schlusssteine im Presbyterium zeigen eine segnende Hand, Kreuz, Rose und Sterne. Das Portal ist spitzbogig und profiliert. Ober demselben hat Propst Gentilotti von Tainach - wie auch in den anderen Filialkirchen - sein Wappen mit der Jahreszahl 1627 und den Buchstaben I.F.G.D.P.V angebracht.
    Der Hauptaltar ist aus dem Anfang des 18. Jahrhunderts. In der Hauptnische ist die Statue des Erzengels Michael mit Waage in der einen, das Schwert in der anderen Hand, unter den Füßen der Drache. Zu beiden Seiten stehen die Statuen der Pestpatrone Hl. Sebastian und Hl. Rochus, oben die Holzstatue des hl. Stefanus.
    Der rechte Seitenaltar ist mit dem Bild des hl. Johannes und hl. Paul geziert, als Anschluss ist das Bild des hl. Johannes des Täufers mit dem Lamm. Dieser Altar hat aus Platzgründen keinen Altartisch mehr und wird in der Weihnachtszeit für die Aufstellung der Krippe gebraucht.
    Der linke Seitenaltar wurde vor längerer Zeit abgebaut. Nur noch das Bild des hl. Urban (2x1,5m) und zuoberst das des hl. Mathias ist erhalten.
    An der Nordwand im Altarraum steht am Postament die lebensgroße Statue des hl. Nikolaus, von der man sagt, dass sie aus der demolierten Kirche in Annamischl (einem kleinen Ort in der Pfarre) stammt.

Die Seelsorger

   Der erste nur für die Pfarre zuständige Seelsorger war seit 1. Jänner 1775 Clemens Rutter. Der heutige Provisor (Markus Jernej) - seit 1. September 1994 - ist der 40. der Pfarre St. Michael/Gurk zugeteilte Pfarrvorsteher. Durchschnittlich dienten die Seelsorger in der Pfarre 5 Jahre und 7 Monate. Am längsten war Franziskus Bauer (1781-1809 also knapp 29 Jahre), Leopold Silan (01.08.1970 - 31.08.1994 - 24 Jahre) und Johann Suetina (19 1/2 Jahre). Die kürzeste Dienstzeit hatte ein Priester mit 4 Monaten (Alois Malle - 1815).
    Priester sind aus der Pfarre keine hervorgegangen. Auch ist hier (noch) kein Priester begraben. 
   
Aber interessant: Hermagoras Picej
(1934), Josef Boštjančič (1934-1944) und der jetzige Provisor Markus Jernej stammen alle aus der gleichen Pfarre - nämlich St. Veit im Jauntal.

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