Geschichte der Mutterpfarre Tainach

Namenserklärung: Der Ort Tainach wird in den Urkunden das erstemal im Jahre 1176 genannt, als der Gurker Bischof Roman II. dem Kapitel eine Hube zu Reinsberg gegen zwei zum Spital gehörige Huben zu Tainach eintauschte. Der Ort wird "Tinach" genannt, wie er in slowenischer Mundart noch jetzt genannt wird.
        Die Ortsbezeichnung "Tinach" lässt eine doppelte Erklärung zu. Das Wort "Tina"  ist eine Abkürzung von Valentin. Im Gailtal wird Tina „Tinja“ ausgesprochen. Auch in der deutschen Sprache wurde in früheren Zeiten statt Tainach Valenteinach  geschrieben. Die Kirche ist nämlich auch dem hl. Valentin geweiht. Im 13. Jh. erscheint in den Urkunden die Marienkirche Tainach, als zweiter Patron aber auch Valentin. Eine andere Erklärung der Bezeichnung Tainach ist die Ableitung vom altslowenischen "Tyn", das ist ein befestigter Platz. In der Steiermark befindet sich auch ein Teinach, wo die Kirche dem hl. Valentin geweiht ist, der Ort aber befestigt erscheint. Auch in unserem Tainach ist der Hügel ober der Kirche noch jetzt sichtbar befestigt, die Kirche selbst aber war mit dem umgebenden Friedhof durch vier kreisrunde Türme und Umfassungsmauern in der romanischen Bauzeitperiode gesichert.
        Ein Pfarrer Henricus kommt in den Urkunden im Streit wegen der Lostrennung der Kapelle an Grafenstein in den Jahren 1203 bis 1213, ebenso im Jahre 1239 in den Urkunden vor.
         
Im Jahre 1240 erscheinen in Tainach drei Priester: Hermanus, Vlricus und Hermanus in Völkermarkt als Zeugen, als Abt Hartwig von St. Paul im neuen Markt Völkermarkt Grundstücke für die Anlage des Friedhofes und der Magdalenakirche den Bürgern um 15 Mark abtrat.
         
Herzog Ulrich III. hat am 22. Juli 1261 im "carnario apud ecclesiam Tynach" (Karner bei der Kirche Tainach) eine Urkunde unterzeichnet.  Also gab es schon in diesem Jahre einen Karner und Friedhof in Tainach.
         
Einige Jahre später, 1280, übergab ein gewisser Martinus de Tainach und dessen Ehegattin Hemma die Kirche in Tainach dem Propst von Völkermarkt, mit dem Namen Leopold. Daraus ist ersichtlich, dass die Vorfahren des Martinus de Tainach, dessen Geschlecht seit Beginn des 12. Jhs. als Zeuge bei verschiedenen Anlässen erwähnt wird, die Gründer und Stifter der Kirche in Tainach waren. Ihre Burg dürfte an der Stelle des Propsteigebäudes oder an dem befestigten Hügel nordöstlich ober der Propsteikirche gestanden sein.
         
Als   Pfarre  erscheint Tainach in den Urkunden zwischen den Jahren 1185 und 1195, da als Zeuge ein Henricus plebanus de Tainach (Henricus, Pfarrer von Tainach) für das Viktringer Kloster genannt wird, als die Brüder Avolo und Gottfried von Trixen drei Huben bei Eberstein dem Viktringer Kloster schenkten.
         
Als "Pfarre" wird Tainach in der vom erzbischöflichen Hofkaplan Arnold gefälschten, im Jahre 1203 verfassten, aber in der Zeit des Erzbischofs Conrad zurückdatierten (1135 - 1143) Urkunde erwähnt.
         
Wie alle Ur- oder Mutterkirchen hatte auch die Pfarre Tainach einen sehr großen Umfang. Auf diesem Territorium standen noch im 17. Jh. nachstehende Filialkirchen:
 
1. St. Jakobi in Pockerstorff (Poggersdorf, später Pfarre)
 
2. St. Martini zu Laibstorff (Leibsdorf)
 
3. St. Philipp et Jakobi zu Emmerstorff (St. Philippen, später Pfarre)
 
4. St. Barholomei zu Mögeriach (Mieger, später Pfarre)
 
5. St. Vincenty zu Trutendorff (Truttendorf)
 
6. St. Nicolai zu Pürkh (Pirk, steht nicht mehr)
 
7. St. Peter unter Grafenstein (später Pfarre)
 
8. St. Oswaldi zu Thon (Thon)
 
9. St. Johannis Bapt. zu Trahoffen  (Drauhofen, heute ein Bildstock)
10. St. Ruperti zu Ayerstorff (Eiersdorf)
11. St. Georgy zu Wabelsdorff (Wabelsdorf)
12. St. Margarithae zu Goritschach (steht nicht mehr, heute Bildstock)
13. St. Michaeli ob Salchendorf (St. Michael ob der Gurk)
14. St. Nicolai zu Emanischlag (Annamischl, steht nicht mehr)
15. St. Egydi zu Hailsberg (Linsenberg)
16. St. Agnetis zu Streglach (Ströglach, steht nicht mehr)
17. St. Michaeli supra onarium (heute Karner am Tainacher Friedhof)

      1659 werden nur mehr 14 Filialen genannt. 4 Kirchen sind eigenständige Vikariate geworden: Poggersdorf, St. Peter/Grafenstein, St. Michael/Gurk und Mieger.

      Später, unter Kaiser Josef II. (1765 - 1790) wurde aufgelassen: St. Michaelskapelle (jetzt Karner in Tainach); abgetragen wurden die Kirchen in Goritschach, Drauhofen, Annamischl, Ströglach, Emmersdorf, Truttendorf und Pirk.
         
Die Seelenzahl betrug z. B. im Jahre 1767 3543, nach der Ausscheidung der einzelnen Pfarren 1385 (heute - 1995:  2000).
         
Bemerkenswert ist der historische Zusammenhang der Pfarre Tainach mit der Propstei Völkermarkt. Im Jahre 1231 hat der damalige tatkräftige Erzbischof Eberhard II. das Kollegiatskapitel in St. Ruprecht bei Völkermarkt errichtet. Dieses bestand aus einem Propst, einem Dechant und den Kanonikern. Dem Propst gab er die reich begüterte Pfarre Tainach als Dotation. So war der Propst von Völkermarkt gleichzeitig auch Pfarrer von Tainach. Bald nach der Errichtung des Kapitels in St. Ruprecht übersiedelten Propst und Kapitel an die spätere Kollegiatskirche St. Magdalena in Völkermarkt. Der Propst residierte in der Stadt und ließ sich in Tainach durch einen Kaplan oder Vikar vertreten.
         
Nach dem Willen des Stifters des Kollegiatskapitels war die Pfarre Tainach der Propstei Völkermarkt in "perpetuum", also für immer einverleibt (Propst Dr. Georg Marko [1646-1678]: "...in ipsa erectione des Collegiatstiftes anno 1232 zu der Propstei Völkermarkt immediate et in perpetuum incorporiert..."). Auch wenn der Propst in den ersten Zeiten nicht in Tainach lebte, so bekam doch die Pfarre durch die erwähnte Einverleibung zur Propstei in Völkermarkt eine alle anderen Landpfarren überragende Bedeutung.
         
Erst im Jahre 1558 - dieses Jahr gibt der Kirchenhistoriker Hohenauer an und ist auch in der Pfarrchronik verzeichnet - nahm der Propst von Völkermarkt in seiner Pfarre Tainach Wohnung. Es war dies Gregor Latomus („Steinbrecher“; 1558 - 17.3.1597), der auch in der Kirche sein Grabdenkmal hat (beim Taufbrunnen an der Nordseite). Ereignisse im Zuge der Reformation haben den Propst zu diesem Schritt veranlasst, ebenso die Nähe der neuen Hauptstadt Klagenfurt, die Schönheit der Lage und die Dotation. Seit 1628 sind die Pröpste in Tainach infuliert (mit allen Pflichten und Rechten eines Propstes ausgestattet). Lange Zeit hielten sich die Pröpste ein Absteigequartier in Klagenfurt (als Landes-abgeordnete) und in Völkermarkt (als Archidiakone).

         
Als letzter Tainacher Propst gilt Dr. Anton Benetek. Sein Nachfolger, Hr. Leonhard Trabesinger, kam nach Tainach als Propst von Gurnitz und hatte das Recht, sowohl bei den liturgischen Funktionen als auch im zivilen Leben einen schwarzen Talar mit violetten Knöpfen und Säumen, ein violettes Cingulum und Ring mit Stein zu tragen.

         
In seine Zeit fällt das Bestreben von maßgebenden Persönlichkeiten des kirchlichen und politischen Lebens in Völkermarkt um die Rückverlegung des Propsteisitzes von Tainach nach Völkermarkt. Der damalige Pfarrkirchenrat hat dies mit Bestürzung zur Kenntnis genommen und darauf verwiesen, dass in Tainach der vom Salzburger Erzbischof ernannte Archidiakon residierte, und die Pröpste von Tainach noch einige Zeit das Recht besaßen, bei der Inthronisation eines neuen Bischofs ihm die bischöflichen Insignien zu überreichen. Zum Schluss wird erwähnt, dass ohnehin schon um 1800 ein ähnlicher Versuch unternommen wurde, aber misslang.

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Tainach als Sitz des Archidiakons

           Die Erzdiözese Salzburg, zu der auch die Pfarre Tainach gehörte, war ursprünglich in Dekanate eingeteilt, so dass 10 Pfarren unter einem Dekan standen, der den Namen Archipresbyter (Erzpriester) führte. Seine Befugnisse waren jedoch zu gering, weshalb der Erzbischof das Institut der Archidiakone einführte. Diese waren Hilfskräfte des Bischofs in judizieller (rechtlicher) und administrativer Leitung der Diözese. Sie hatten den Klerus zu überwachen und zu versetzen, Priester bezüglich ihrer pastoralen Fähigkeit zu prüfen, Synoden abzuhalten, die Kirchen zu visitieren und über den pastoralen Stand der Pfarren an den Bischof Bericht zu erstatten. Die Einführung der Archidiakone geschah in der Salzburger Erzdiözese wahrscheinlich schon im 9. Jahrhundert.
         
Für den Bereich des jetzigen Kärnten waren zwei Archidiakonate eingeführt, eines für Ober-, das zweite für Unterkärnten (seit 1272). Aber wegen der großen Ausdehnung des Archidiakonates Unterkärnten wurde dieses durch die Bulle des Papstes Urban VIII. am 27. März 1624 geteilt und mit Dekret des Erzbischofs Paris vom 28. August 1624 durchgeführt. Der Sitz des einen soll in Kappel am Krappfeld, für den südlichen Teil in Tainach sein oder sonst wo, wie es der Erzbischof bestimmt.
         
Die Grenze zwischen den beiden verlief vom Wörther See über Maria Saal zum Fuße der Saualpe und von da nach Norden, so dass Tultschnig und die zu Maria Saal gehörigen einstigen Filialen zum Tainacher Archidiakonat gehörten.
          Im ganzen Archidiakonat waren demnach zur Zeit des Archidiakons Georg Marko 3 weltliche Propsteien: Maria Saal, Völkermarkt und Gurnitz, 2 Dekanate, nämlich Maria Saal und Völkermarkt, dann 47 Pfarrkirchen und 129 Filialkirchen, 13 Benefizien (Stiftungen) ; einige sind durch das Luthertum zugrunde gegangen.
          Das ganze Archidiakonat war in drei Viertel eingeteilt (Maria Saaler, Völkermarkter und Lavanttaler). Jedem stand ein Dechant vor. Alle unterstanden dem Salzburger Metropoliten.

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Tainacher Archidiakone

          Dr. Johann Franz Gentilotti (1624-1640). Als das Archidiakonat Unterkärnten noch ungeteilt war und Dr. Gentilotti seit 1616 dieses Amt bekleidete, erhielt er vom Erzbischof Marcus Sitticus den Auftrag, eine Generalvisitation der Erzdiözese in der Steiermark vorzunehmen. Da er zu diesem Zweck durch längere Zeit abwesend sein musste, ersuchte er den Abt von St. Paul, Hieronymus Marchstaller, während seiner Abwesenheit die in seinem Archidiakonat liegenden Pfarren unter seine Verwaltung und Jurisdiktion zu nehmen. Zur Erleichterung wollte er ihm den Dechant von Völkermarkt als Sekretär beigeben. Mit Einwilligung des Erzbischofs geschah dies auch.

          Nach der Teilung des Archidiakonates Unterkärnten wurde der Dechant von Maria Saal
1. Benedikt Mitterholzer (1624-1625) zum Archidiakon des Tainacher Bezirkes ernannt. Schon im folgenden Jahre bat dieser um seine Enthebung von der Archidiakonatswürde. Sein Nachfolger wurde der Abt von St. Paul
2. Hieronymus Marchstaller (1625-1638). Sein Wirkungskreis bestand in der Verwaltung und Leitung des Archidiakonates, im Recht die Kirchen zu visitieren, Streitigkeiten zu schlichten, Eheangelegenheiten zu ordnen, von Ehehindernissen zu dispensieren, die Lebensweise der Priester zu überwachen, jährlich Synoden abzuhalten, die Steuerzahlungen zu überwachen, die Trienter Konzilsbeschlüsse auszuführen und die Vikare und Kapläne zu prüfen usw.

Abt Marchstaller war auch Verordneter des Landtages, Mitglied des Großen Rates, Salzburgischer Rat. Er war wohl einer der bedeutendsten Prälaten von St. Paul, der zweite Gründer des Klosters. Er starb am 25. August 1638 und wurde in der Stiftskirche vor dem Kreuzaltar beigesetzt.

3. Nach Marchstallers Tod versah durch zwei Jahre der Archidiakon von Friesach Dr. Renner auch den südlichen Teil (1638-1640).
4. Als Bischof von Lavant wurde Dr. Albert von Priamis am 30.12.1640 ernannt. Er hatte mehrere Ehrenstellen, war Propst von Virgilienberg in Friesach, Erzdiakon von Oberkärnten zu Gmünd, Propst und Erzdiakon von Völkermarkt bis 1654. In Anbetracht solcher Überhäufung von Geschäften wurde ihm der Propst von Maria Saal (Paul Graf von Aldringen) als Mithelfer in den Geschäften des Archidiakons beigegeben. 1643 Weihbischof von Straßburg, Propst von Völkermarkt bis August 1644.

Nach Bischof Priamis, der am 8. September 1654 in Graz verschied, blieb das Archidiakonat Tainach bis zu seiner Aufhebung mit der Propsteistelle in Tainach verbunden.

5. Dr. Melchior Augustin Berger, 1644-1645.
6. Dr. Georg Marko, 1645 - 20. November 1672, residierte oft in der Stadt, wo in der Stadtpfarrkirche St. Magdalena auch sein Denkmal errichtet ist.
7. Dr. Karl Ludwig von Klies, 1673-1707, gebürtig aus Wels, Doktor der Theologie; Propst von Völkermarkt und Archidiakon von Tainach. Er starb im Mai 1707 in Tainach und ist im Presbyterium der Kirche begraben. Dort steht ein Grabdenkmal aus rotem Marmor.
8. Dr. Franz von Dreer, 1707-1719, Propst und Archidiakon. Er entsagte der Propstei zugunsten seines Neffen im Jahre 1719 und starb 1725.
9. Dr. Franz von Dreer, 1719 - 1755; studierte in Rom Theologie. Er starb 1763 und ist in Tainach beerdigt.
10. Dr. Leopold von Dreer, 1755 - 1780; Neffe seines Vorgängers (+ 27.12.1780).
11. Dr. Anton Josef Hietl, 1781 - 1. Februar 1787, gebürtig aus der Steiermark. War Propst von Unterdrauburg, als er nach Tainach als Propst und Archidiakon befördert wurde. Unter ihm erfolgte die Aufhebung des Archidiakonates mit Dekret vom 26. Jänner 1787 unter Kaiser Josef II, trotz Widerrede von Seite Dr. Hietls. Durch die neue Diözesaneinteilung musste das Erzbistum Salzburg seinen Diözesananteil in Kärnten bis zum Rackenbach bei Tainach nach Gurk, das östlich von diesem Bach gelegene Gebiet dem Bistum Lavant abtreten. Mit der Durchführung wurde der Salzburger Generalvikar, Bischof von Lavant, Vinzenz Graf von Schattenbach betraut. Dieser brachte dem Archidiakon Hietl und allen Geistlichen dieses Gebietes die neue Einteilung zur Kenntnis, die die Geistlichkeit am kommenden Sonntag auf den Kanzeln verkünden und mit eigenhändiger Unterschrift versehen musste.
        Am 1. Feber 1787 trat die neue Einteilung in Kraft.
Der Archidiakon Dr. Hietl wandte sich bittend am 4. Jänner 1787 an das Bistum Lavant mit der Vorstellung, da "es einem hart zu Gemüth gehet, ganz entsetzet zu werden" und bat, ihm die Archidiakonatsgewalt wenigstens über das Collegiatsstift Völkermarkt und die Stadtpfarre und über die demselben incorporierten Pfarren zu belassen.
         
Doch waren alle Bemühungen vergeblich, er musste sich mit dem Dechantstitel begnügen, der an Stelle des Archidiakonates trat.

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